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| Dow Jones Konferenz „Emissionshandel 2005“ |
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Auf großes Interesse beim Fachpublikum ist die erste Konferenz von Dow Jones Newswires in Deutschland gestoßen. Die Veranstaltung „Emissionshandel 2005“ fand am 8. und 9. November bei Frankfurt statt. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, ihr Know-how zum Thema Emissionshandel abzurunden. Nach den Vorträgen ergab sich bei informellen Gesprächen die Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Konferenzteilnehmer lobten die Veranstaltung als „gutes Networking-Event“.
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Mit den neuesten Informationen zum Stand der Koalitionsverhandlungen in Sachen Emissionshandel kam Franzjosef Schafhausen, vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, zur Konferenz nach Gravenbruch. Die wichtigste Botschaft: Die neue Bundesregierung will bei der Zuteilung der CO2-Zertifikate für die Jahre 2008 bis 2012 ganz offensichtlich die Fehler aus der Erstzuteilung verhindern. „Windfall Profits sollen vermieden und Sonderregelungen kritisch überprüft werden“, sagte Schafhausen in seinem Vortrag. Im Rahmen des zweiten Nationalen Allokationsplanes (NAP II) werden in den Jahren 2008 bis 2012 an die mehr als 1.800 deutschen Unternehmen, die dem Emissionshandel unterliegen, 846 Mio CO2-Zertifikate zugeteilt. Im NAP I waren es 859 Mio CO2- Zertifikate gewesen. Intensiv diskutiert wird nach seinen Angaben auch eine Verlängerung der Referenzperiode für den Zweiten Nationalen Allokationsplan von drei auf fünf aufeinander folgende Jahre. „Das könnte konjunkturelle oder saisonale Schwankungen der Unternehmen bei CO2-Emissionen abpuffern.“
Schafhausen ging in seiner Key Note auch auf das deutliche Interesse ausländischer Unternehmen an Joint-Implementation-Projekten in Deutschland ein. 50 Anträge lägen dem Ministerium bereits vor: „Das zeigt, dass wir in Deutschland Potenziale haben, die wir noch nicht erkannt haben.“ Um den flexiblen Mechanismen den Weg zu ebnen, laufen im Umweltministerium auch die Vorbereitungen für die Vertragsstaatenkonferenz in Montreal auf Hochtouren. Derzeit werde mit 30 Staaten über entsprechende Vereinbarungen verhandelt. Fixiert sind nach Angaben von Schafhausen unter anderem Verträge mit Mexiko, Brasilien und China. Schafhausen zählt nach eigenen Angaben auch zu den Befürwortern einer Auktion der künftig zu verteilenden Berechtigungen.
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Lutz von Meyerinck, von der Deutschen BP, sprach sich in seinem Vortrag gegen eine Auktionierung aus und plädierte dafür, die derzeitige kostenlose Verteilung der Zertifikate von 90 % nicht zu unterschreiten. Ganz auf dem Kurs von Schafhausen war von Meyerinck hingegen in der Frage der Begrenzung der Spezialregelungen und Ausnahmen sowie einer Harmonisierung der Allokationspläne aller EU-Mitgliedsstaaten. Sein Vorschlag: „Die Allokation könnte auf Benchmarks für spezifische Treibhausgasemissionen, multipliziert mit dem Produktions-Output, beruhen“. In seinen Augen sollte der Allokationsprozess langfristige Investitionssicherheit, Transparenz und die Verbindung zu den globalen Märkten berücksichtigen. Eine Einbeziehung anderer Sektoren in den Emissionshandel hält von Meyerinck für Phase II vom Zeitrahmen her für unrealistisch.
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Von der Poltik zum Marktgeschehen führte Steve Drummond vom Londoner Broker CO2e.com seine Zuhörer. Er widmete seinen Vortrag den Chancen und Risiken des Zertifikatehandels. Mit Interesse lauschte das Fachpublikum vor allem seinen Preisprognosen. Kunden des Brokers zahlen demnach 12 EUR bis 14 EUR für langfristige CERs.
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Markus Hüwener, Geschäftsführer der 3c Climate Change Consulting GmbH, Frankfurt, hingegen hält kurzfristigen, starken Verkaufsdruck im Europäischen Emissionshandelssystem für durchaus möglich. „Der CO2- Preis könnte auf 10 bis 15 Euro je t zurückgehen - wahrscheinlich nicht langfristig, aber doch für ein paar Tage“, sagte Hüwener. Die jüngsten Prognosen der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein gehen beispielsweise für die erste Handelsperiode von einem Durchschnittspreis von 15 bis 20 EUR/t aus, in der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 wird der Durchschnittspreis bei 25 bis 30 EUR/t gesehen.
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Einen Einblick in die US-amerikanische Sicht von Klimawandel und Treibhausgasen gab Rechtsanwältin Catherine A. Lee von der US-Sozietät Gallagher, Callahan, Gartrell. Nach ihren Aussagen vollzieht sich dort - wenn auch nur sehr langsam - ein Paradigmenwechsel. Politiker, Banken und die Bevölkerung tendieren vermehrt zu einem landesweiten und verbindlichen Plan zur Reduktion von Treibhausgasen. Gerade amerikanische Finanzinstitute schauen nach Einschätzung der Expertin vermehrt nach Europa und finanzieren zunehmend CDM-Projekte. Die verheerenden Wirbelstürme in den USA in diesem Jahr sowie steigende Benzinpreise hätten außerdem in der Bevölkerung Interesse am Thema Klimaschutz geweckt. „Durch nichts ist das Interesse an Klimaschutzmaßnahmen so sehr gestiegen wie durch Hurrikan Katrina”, meinte Lee.
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Den Möglichkeiten und Risiken bei der Finanzierung von Klimaschutzprojekten widmete sich Jörg Doppelfeld. Der Vice President Carbon Solutions der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank mahnte die Konferenzteilnehmer, bei der Finanzierung von Projekten alle Aspekte zu überprüfen. Zur Risikodeckung könnten unter Umständen auch Kreditversicherer wie Hermes herangezogen werden, auch Entwicklungsbanken wie ICF oder EIB seien Ansprechpartner. Ein Börsengang zur Finanzierung eines Projektes hingegen sei nur in seltenen Fällen sinnvoll. „Packen Sie in Ihren Projektantrag nicht zu viel Neues auf einmal. Für Banken ist CDM derzeit noch Neuland“, lautete ein weiterer Ratschlag des Experten.
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Mit der Frage, wie sich der Emissionshandel auf den Unternehmenswert auswirkt, beschäftigte sich Christopher Kuplent, Equity Research Analyst für europäische Energieversorger bei Credit Suisse First Boston, London. Bei seinen Analysen kam er auf ein zusätzliches Betriebsergebnis für die gesamte deutsche Stromproduktion von rund 6,0 Mrd EUR pro Jahr. Die Erhöhung der Stromproduktionsmarge (Cash) auf Grund von CO2-Opportunitätskosten bezifferte Kuplent auf rund 12,0 EUR je Megawattstunde. „Die zusätzlichen Einnahmen entsprechen einer ewigen Rente“, rechnete er dem Auditorium vor. Die ewige Rente ist der Ertrag, den ein bestimmter Geldbetrag bei einer gegebenen Verzinsung erzielt, ohne dass das Kapital angegriffen wird. Da das Kapital erhalten bleibt, wird der Ertrag daher „ewig” erzielt. Stiftungen basieren auf diesem Prinzip: Eine Summe wird eingezahlt und der (wohltätige) Zweck wird aus den Zinsen finanziert, ohne das Kapital anzugreifen.
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Jörg Schenderlein, Deputy Head Market Surveillance an der Leipziger Strombörse, gab den Konferenzteilnehmern einen kurzen Überblick über den Emissionshandel an der EEX. Er wies besonders auf den seit kurzem möglichen Spothandel hin.
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Nino Turek, von der Fichtner GmbH & Co KG, Stuttgart, schilderte erste Praxiserfahrungen mit JI-/CDM-Projekten. „Die Preisdifferenz macht CERs und ERUs attraktiv“, warb Turek für die flexiblen Mechanismen. Er ging auf die direkte Beteiligung an CDM und JI über unilaterale und bilaterale Investitionen ein und erläuterte die Nutzung von Carbon Funds. Unternehmen, die im Rahmen der eigenen Erfüllungsstrategie Zertifikate aus CDM- und JI-Projekten nutzen wollen, riet Turek, die langen Vorlaufzeiten zu berücksichtigen.
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Karin Sittler, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), skizzierte in ihrem Vortrag die Arbeitsweise von CO2-Ankaufprogrammen an Hand des KfW-Klimaschutzfonds. Die erste Tranche des Fonds hat mittlerweile ein Volumen von rund 80 Mio EUR erreicht. Die Nachfrage von Anteilen an dem Fond sei größer als erwartet. Ursprünglich habe man bei der KfWn mit einem Volumen von rund 50 Mio EUR gerechnet. Die KfW selbst finanziert den Fond mit 10 Mio EUR, die deutsche Bundesregierung trägt bis zu 8 Mio EUR bei. Der KfW-Klimaschutzfond ermöglicht Unternehmen, die dem Europäischen Emissionshandel unterliegen, den Erwerb von preisgünstigen CO2-Zertifikaten aus CO2-Minderungsprojekten in Entwicklungsländern und Transformationsstaaten. Bisher haben sich laut Sittler 20 Unternehmen an dem Fond beteiligt. Der Fond schließe zum Jahresende, stehe aber noch für Beteiligungen offen. Bislang seien rund 100 Vorschläge für CO2-Minderungsprojekte bei der KfW eingegangen. Diese Projekte hätten ein Kaufpotential von rund 10 Mio CO2- Zertifikaten. Einen ersten Kaufvertrag habe die GfW im Oktober 2005 bei einem indischen Projekt abgeschlossen. Bis spätestens Mitte Dezember sollen laut Sittler alle Kaufverträge unter Dach und Fach sein.
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Der zweite Konferenztag wurde von Prof. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, mit kritischen Worten eingeläutet. Seiner Ansicht nach setzen sich die Banken mit der konkreten Ausgestaltung des Emissionshandels noch zu wenig auseinander. Vor allem beschäftigten sich diese nicht ausreichend mit der Fülle der damit zusammenhängenden Instrumente. Dadurch vergäben die Finanzinstitute - auch für sich selbst - erhebliche wirtschaftliche Chancen. Walter forderte die Branche dazu auf, beim Emissionshandel die eigenen Kompetenzen mit denen von Versicherungen und Rückversicherern zu bündeln, um gemeinsame Strategien zu entwickeln. Andererseits zeigte sich der Experte jedoch überzeugt davon, dass Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeit zukünftig bei der Bewertung von Unternehmen und bei Kreditwürdigkeitsprüfungen durch die Banken eine immer größere Rolle spielen werden. Um die notwendige Begrenzung der Treibhausgasemissionen zu erreichen, tendiert Walter zu einem ausgeglichenen Ansatz zwischen Asiatisch-Pazifischem Pakt und Europäischem Emissionshandelssystem. Die Allianz der USA mit Australien, China, Indien, Japan und Südkorea setzt vor allem auf moderne Technik zur Eindämmung schädlicher Emissionen. Walter plädierte für eine Kombination aus Technik mit entsprechenden Preissignalen, wie sie aus dem Emissionshandel kommen. Emissionsbegrenzung bei gleichzeitiger Modernisierung im Bereich der Emittenten müsse die Strategie lauten, betonte er. Auch wenn sich Energieeffizienz und Emissionsbeschränkung derzeit überwiegend noch nicht als ökonomische Erfolgskriterien durchgesetzt hätten, gäbe es doch bereits überzeugende Beispiele für umweltorientierte Produktstrategien, sagte Walter. Er verwies in diesem Zusammenhang zum Beispiel auf Airbus Industries, die sich mit leiseren Flugzeugen Wettbewerbsvorteile verschafft hätten.
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2006 wird das Konferenzprogramm deutlich erweitert. Die Auftaktveranstaltung im März wird sich mit Klimaschutzinvestments befassen, die Veranstaltung „Emissionshandel 2006“ findet wieder im November statt.
Die komplette Dokumentation der Konferenz ist für 250 EUR auf CD-ROM erhältlich. Kontakt für Ihre Bestellung: Nadine Voiss-Wolff, Telefon +49 (0)69 297 25 163, Mail: nadine.voiss@dowjones.com
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