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Startseite  CDM/JI Entwicklungen in Osteuropa und Zentralasien
Batumi-Konferenz

Ein Konsortium unter der Leitung von Fichtner/Deutschland wurde im Rahmen des TACIS-Programms der Europäischen Union beauftragt, die Länder Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Moldawien im Hinblick auf die Umsetzung des Kyoto-Protokolls mit Schwerpunkt auf Clean Development Mechanism (CDM) zu beraten. Das Gesamtprojekt beinhaltet institutionelle sowie CDM-Projektpraxis-Aufgaben. Zu den institutionellen Aufgaben gehört die nationalen CDM Behörden (Designated National Authority - DNA) aufzubauen und die internen Abläufe und Entscheidungskriterien für die Genehmigung von CDM-Projekten zu definieren und zu etablieren.
Diese Vorbereitungen sind erforderlichen, damit die Länder den CDM für eine nachhaltige Entwicklung nutzen können.
Vom 1. - 2.- Juni 2006 fand am Schwarzen Meer in Batumi/Georgien die Konferenz "CDM & JI Developments in Eastern Europe & Central Asia" statt. Auf der Konferenz diskutierten 80 führende Experten aus 10 verschiedenen Ländern die aktuellen Entwicklungen beim Aufbau der institutionellen Strukturen und der CDM/JI Projektentwicklungen in der Kaukasusregion und Zentralasien.

Diana Harutyunyan von der Nationalen CDM Behörde Armeniens präsentierte die institutionellen Strukturen sowie die Kriterien für die Anerkennung von Projekten im Rahmen des CDM in Armenien. Im Jahr 2002 wurde das armenische Umweltministerium zur DNA erklärt und ist seitdem Ansprechpartner und  Aufsichtsbehörde für CDM Projektentwicklungen. Neben der Zuständigkeit für die Einreichung, Evaluation und Anerkennung der CDM Projektdokumentation und der Ausstellung der Genehmigungsschreiben gehört zu den Aufgaben die Abstimmung mit relevanten Stakeholdern sowie die Förderung von CDM Projekten in Armenien. Ein CDM Projekt wird nur dann in Armenien anerkannt, wenn es ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig ist. Ein armenisches CDM Projekt wurde seither bei der UNFCCC registriert, weitere 18 Projekte befinden sich in der Pipeline.

Die institutionellen Strukturen und den aktuellen Stand der CDM Projektentwicklungen in Aserbaidschan stellte Maharram Mehtiyev, Direktor des Zentrums für Klimawandel und Ozon, vor. Das Zentrum ist dem Ministerium für Umwelt unterstellt, welches im Jahr 2005 zur Nationalen CDM Behörde ernannt wurde. Inzwischen ist das Verfahren zur Anerkennung von CDM Projekten in Aserbaidschan ausgestaltet worden, zudem stehen die nationalen Nachhaltigkeitskriterien, die ein CDM Projekt in Aserbaidschan erfüllen muss, fest. Damit ein Projekt in Aserbaidschan anerkannt wird, muss es insgesamt 10 Kriterien erfüllen. Diese sind unter anderem: Nachhalitgkeit, Übereinstimmung mit den makroökonomischen Zielen des Landes, Anwendung innovativer Technologien sowie eine Emissionsreduktion von mindestens 15.000 t CO2. Mehtiyev stellte des weiteren die für CDM Projekte in Aserbaidschan besonders relevanten Sektoren vor. Neben CO2 Einsparungen in den Bereichen Energieeffizienz, Wasserkraft und Deponiegas genießen auch Windkraftprojekte und Biogasnutzung besonders hohe nationale Priorität im Rahmen des CDM. 

Grigol Lazriev, Vorsitzender der Behörde für Hydrometeorologie und Klimawandel des georgischen Umweltministeriums, erläuterte die Verantwortlichkeiten seiner Behörde als DNA. Die Hauptaufgabe ist die Bewertung und Anerkennung von CDM Projekten sowie die Überprüfung, dass alle relevanten Stakeholder eines CDM Projektes berücksichtigt wurden. Daneben fördert die georgische DNA die Kommunikation zwischen potenziellen Investoren und Projektentwicklern und berät bei der Vermarktung von Emissionszertifikaten. Lazriev ging in seinem Vortrag zudem auf die Zuständigkeiten des Nationalen CDM Rates ein, der aus Vertretern verschiedener Ministerien zusammengesetzt ist. Der Rat analysiert CDM Projekte hinsichtlich ihres Beitrages zur nachhaltigen Entwicklung und versteht sich als Hauptprüforgan, um sicher zu stellen, dass alle Projekte die Ziele des CDM verfolgen. Die Nachhaltigkeitskriterien werden zur Zeit noch entwickelt, was jedoch fest steht ist, dass ein CDM Projekt neben den ökologischen, ökonomischen und sozialen Benefits auch zum Technologietransfer beitragen muss.

Flore Patrat-Delon, Projektassistentin des TACIS-Schwesterprojektes, gab eine Übersicht zu den institutionellen Strukturen sowie den Kriterien für die Anerkennung von CDM in Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan. Von diesen fünf Ländern haben mittlerweile Turkmenistan, Usbekistan und Kirgistan das Kyoto Protokoll unterschrieben und ratifiziert. Patrat-Delon ging auf die bürokratischen Hindernisse, welche den institutionellen Aufbau der DNAs in diesen Ländern bisher hinausgezögert haben sowie auf die politischen Unsicherheiten und der Mangel an finanziellen Ressourcen ein. Nach Einschätzung der Expertin konnte aus diesen Gründen bisher noch keine CDM Projekt aus diesen Ländern bei der Klimarahmenkonvention registriert werden.

Aus Sicht eines Investorlandes, das Zertifikate aus CDM und JI Projekten zur Pflichterfüllung einsetzen kann, handelte der nächste Vortrag. Mahlin Alberg von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHst) im Umweltbundesamt stellte vor diesem Hintergrund das Verfahren zur Anerkennung von CDM und JI Projekten in Deutschland auf Basis des ProMechG (Projektmechanismen Gesetz) vor. Von Deutschland werden  5 CDM Projekte (hauptsächlich Projekte in Brasilien, China und Indien) sowie 8 JI Projekte (Russland und Polen) entwickelt. Deutschland ist selbst Gastland für 49 JI Projekte.

Marina Olshanskaya vom Regionalen Unterstützungszentrum für Osteuropa und CIS-Länder der UNDP präsentierte den Beitrag der UNDP bei der Implementierung des Kyoto Protokolls in Osteuropa und in den CIS-Staaten. Neben dem Kapazitätsaufbau unterstützt die UNDP zusammen mit dem GEF (Global Environmental Facility) die Identifikation und Entwicklung von CDM und JI Projekten in Osteuropa. Besonders förderungswürdig sind in diesem Zusammenhang Projekte im Bereich Erneuerbare Energien, etwa der Einsatz von Biogas bzw. Biotreibstoffen, sowie Projekte aus dem Bereich Energieeffizienz.

Mit einer Übersicht über die weltweiten Marktentwicklungen im Bereich CDM eröffnete Wolfgang Eichhammer von Fraunhofer ISI den zweiten Konferenztag. In seinem Vortrag ging er auf die Käufer und Verkäufer von Zertifikaten aus CDM Projekten ein und stellte die entscheidenden Faktoren vor, welche den Preis der CO2 Zertifikate beeinflussen. Eichhammer macht die lückenhafte Ausgestaltung des politischen Rahmenwerkes für Joint Implementation verantwortlich dafür, dass Zertifikate aus JI Projekten zu einem niedrigeren Preisniveau gehandelt werden als CERs aus CDM Projekten.

Johannes Laubach, Projektleiter von Fichtner für das TACIS Projekt/LOT 2, stellte die Projekte, welche im Rahmen des TACIS Projektes im Kaukasus und Moldawien in den letzten zwei Jahren entwickelt wurden sowie den aktuellen Status auf dem Weg zur Anerkennung im Rahmen des CDM vor. Die 38 identifizierten Projekte decken insgesamt sieben Sektoren ab: Erneuerbare Energien, Biotreibstoffe, Methanvermeidung, Verbrennung von Begleitgasen sowie N2O- Vermeidung, Energieeffizienz und Aufforstung/Wiederaufforstung.

Prof. Michael Dumitrashko vom Institut für Wirtschaft und Agrogeschäfte (Moldawien), Simone Ullrich, Projektleiterin von Fichtner und Natalia Berghi, Moldawische TACIS Koordinatorin und Mitglied des CDM Executive Boards, präsentierten das CDM Projekt "Methanvermeidung und Energie aus Biogas von Hühnerfarmen in Moldawien". Der Vortrag beinhaltete die Darstellung der Entwicklung der Baseline und der Bestimmung Projektgrenzen und die weitere Vorgehensweise zur erfolgreichen Anerkennung des Projektes.

Das erste CDM Aufforstungsprojekt im Kaukasus präsentierte Julia Eckert von Fichtner. Bei dem Projekt handelt es sich um ein kleinskaliertes Aufforstungsprojekt, das zusammen mit ländlichen Gemeinden in Nordarmenien entwickelt wird. Auf Grund des massiven Verlusts an Waldressourcen in den letzten Jahrzehnten besitzen Aufforstungsmaßnahmen eine hohe politische Priorität für Armenien. Vor diesem Hintergrund hat das Projekt zum Ziel, einen Beitrag zur Wiederbewaldung degradierter Flächen in ländlichen Regionen zu leisten.

Nino Turek, Leiter der Geschäftsentwicklung Energie und Klimaschutz bei Fichtner, stellte den Konferenzteilnehmern in seiner Präsentation das Europäische Emissionshandelssystem vor sowie die Möglichkeiten, CERs und ERUs im Rahmen der Linking Direktive der Europäischen Union zur Pflichterfüllung einzusetzen. In diesem Zusammenhang ermöglicht Fichtner durch seine Internetseite die Vermarktung von CERs und ERUs, da hierdurch die Käufer- und Verkäuferseiten zusammengebracht werden.

Paata Janelidze, Mitglied des CDM Meth Panel und Johannes Laubach von Fichtner stellten das CDM Projekt "Methanvermeidung im teilweise geschlossenen Kohlebergwerk von Tkibuli/Georgien" vor. Die Präsentation stellte auf anschauliche Weise dar, welche technischen Optionen es gibt, das Kohlegas aufzufangen. Daneben wurden die Besonderheiten bezüglich der Anwendung der vom Executive Board anerkannten Baselinemethode ACM0008 vorgestellt, die nur für Bergwerke entwickelt wurde, die noch in Betrieb sind. 

Garbiele Carboni, CESI/Italien, stellte exemplarisch die Möglichkeiten zur CO2 Reduktion in Stadtgebieten mit Hilfe von Kraft-Wärme-Kopplung dar. Im Rahmen des Projektes werden die energetischen, ökonomischen und ökologischen Benefits verschiedener technischer Lösungen evaluiert.